CRM

4. Januar 2008 von Kai Falkenberg

Keine Panik, CRM, also Customer-Relationship-Management ist nur der Aufhänger, der Eye-Catcher, die Headline, die Leser bringen soll. Langweilig? Na gut!

Da ich offiziell gerade im Urlaub bin, also ganz normal arbeite, aber fast ohne Kundenkontakt, befasse ich mich seit dem Neujahr auch mit der Case-Study, die Xing gerade abliefert. Oder sollte man sagen, mit der Daily Soap?

Mein berufliches Spezialgebiet sind nun einmal Kundenbeziehungen. Da sehe ich dieses prächtige Beispiel lebendiger Unternehmenskommunikation doch mit leuchtenden Augen. Natürlich auch, damit wir es hier auf unserer kleinen Whitelist anders und vor allem besser machen können. Auch deswegen ist ja gerade unsere (kleine oder große) Umbaupause.

Was lief denn so falsch, das die jetzige Xing-Debatte auslöste? Ein klassischer Denkfehler der meisten Unternehmen, die kundenorientiertes Denken umsetzen wollen. Sie verstehen nicht, dass bei dem modernen, neuen Wort „Kundenbeziehungen“ die Betonung auf dem hinteren Teil liegt. Unternehmen denken immer, es ginge um den „Customer“, den Kunden. Falsch. Es geht zunächst um Beziehungen. Erst wenn ich das hinkriege, eine Beziehung aufzubauen, dann kriege ich anschließend vielleicht auch einen Kunden. Vorher höchstens einen Käufer.

Warum? Nun, wir Verbraucher sind heutzutage mit so vielen Wassern gewaschen, haben so mannigfaltige Informationsmöglichkeiten, sind von soviel Versprechungen abgehärtet und von so zahlreichen Werbemaßnahmen in unserem Umfeld so abgestumpft, dass wir alle eines gelernt haben: Wir erkennen Authentizität! Wir spüren instinktiv hinter jeder Ansprache, ob sie ein ehrliches Interesse an meinem Anliegen darstellt oder nur der weichgespülte Versuch eines professionell vortragenden Nachrichtensprechers, uns einzulullen, zu besänftigen, auf Kurs zu bringen oder ruhig zu stellen.

Nach drei Tagen gab der Xing-CEO ein erstes Statement heraus, das genau das versuchte. Der Customer sollte ruhig gestellt werden. Was der Customer aber sofort spürte. Jetzt griff die Empörung erst richtig um sich, was den Xing-Vorstand zusammen mit dem Kursrutsch an der Börse sicherlich in helle Aufregung versetzte, aber auch sofort in den nächsten Fehler trieb. Jetzt versuchte eine professionell vortragende Mitarbeiterin, Zeit für Krisensitzungen zu gewinnen, machte aber Step by Step den Flurschaden nur immer größer. Aussagen wie, „der Vorstand hat auch andere Aufgaben, als sich um seine aufgebrachten Kunden zu kümmern“, sind zwar wahr, aber nicht wirklich brandlöschend.

Den Hut setzte sich heute Abend standesgemäß aber der CEO selbst auf, als er sich als Feuerwehrmann in einem englischsprachigen Blogbeitrag mit einer noch weichgespülteren, lediglich längeren Version seines Vortags-Statements versuchte. „Ooops, da haben wir einen Fehler programmiert“, versucht aus dem heranrasenden Elefantenbullen ein niedliches Mäuschen zu machen. Ich fürchte, das geht nicht gut aus.

Es wird immer gern erzählt, dass Firmen marktwirtschaftlich denken müssen, wenn das Management den Verbraucher nur als „Customer“ anspricht und dabei die menschliche Komponente übersieht. Firmen, die verstanden haben, sich zunächst um Beziehungen zu bemühen und erst anschließend um ein Kundenverhältnis, die haben in unserer sensiblen Verbraucherwahrnehmung Zukunft.

Dass ein Unternehmen wie Xing aber, dessen Kapital ausschließlich „Kundenbeziehungen“ sind, diesen Zusammenhang nicht erkannt oder vergessen hat, lässt mich staunen. Denn dann geht es wie in der Politik, nur schneller: Der größte Teil der Bevölkerung wird wieder Nichtwähler. Der größte Teil der Xingler wird wieder Nicht-Xingler. Und Frau S. Schippm. aus dem sympathischen, gleichwohl fruchtlosen (weil ohne Befugnis)  ”Eskalationsservice” schaltet das Licht aus. Immerhin hatte sie auch einen Heiratsantrag bekommen, auf den sie in der Not zurückgreifen könnte. Und Herr L.H. hatte sich schon lange vorher auszahlen lassen. Guten Abend, allerseits.

5 Reaktionen zu “CRM”

  1. produktwerk

    guten abend kai!

    ich oute mich hiermit, dass ich euch -nachwievor- interessiert “beobachte”…. so wie diese posse der letzten tage bei und auf xingTV…. habe mich köstlich “amüsiert”, auch da….

    xing kennt mich nicht… ihr schon/virtuell/und damit gar nicht… aber hören wolltet “ihr” im sommer auch nicht auf diesen “störenfried”…. damals machtet ihr vergleichbare CRM-, PR- und managementfehler wie grad xing, ihr bekamt die rechnung, auch bei xing…. und ich war weg… auch wenn es nicht einfach ist, macht es endlich besser!!!!

    wenn ihr wirklich was bewegen wollt, dann lasst uns über etwas diskutieren. reden und dann machen, das wirklich neu ist….

    ICH war 1999 der zeit und “web2.0″ mit ideen weit vorraus…. und auch heute generiert man geschäft im real live…. der virtuelle “kram” ist nettes zubrot…

    xing PLUS klassisches business…
    da kann man wirklich was verdienen…

    und dabei selbst ethisch korrekt sein und bleiben…

    think global, act local ….. und umgekehrt…

    grüsse an euch,
    sms

  2. produktwerk

    … da mein xing-profil eh in seiner jetzigen form bald geschichte ist… reiche ich den link nach….

  3. Oliver Schuh

    Ich bin verwirrt.
    Wer outet sich denn da ohne seinen Namen zu nennen?
    Mal abgesehen vom Flimmern, welches mir wahllose Großkleinschreibweise und diese unsäglichen Punkte zwischen Halbsätzen verursacht.
    Ich kenne nur eine Dame in XING, die diese Interpunktion verwendet, allerdings gepaart mit konsequenter Kleinschreibung.
    Insofern, wie gesagt verwirrt.

    Und was will uns die geheimnisvolle Unbekannte mit den Erkenntnissen aus 1999 sagen?

    Aber zum Thema.
    Ob die Kommunikationsfehler, wie man munkelt, kalkuliert waren oder nicht.
    Tatsache ist, daß es immer Leute gibt, die kritisch mit Dingen umgehen.
    Erst recht, wenn sie meinen verschaukelt zu werden.
    Und das ist gut so.

    Letztlich hat XING nach einem kläglichen Beschwichtigungsversuch tatsächlich noch eine richtige Entschuldigung mit entsprechenden Änderungen, wie vom Nutzer gewünscht, hervorgebracht.
    Hut ab.
    Damit hat niemand gerechnet. Man war der Meinung es wird ausgessen werden. Tje, daneben gelegen. Schön.
    Am Ende gab es also doch noch Kommunikation.

    MyWhitelist kann da viel von lernen – muß davon lernen.

    In diesem Sinne ein Hoch auf die Kommunikation.

    Gruß vom Elbstrand
    Oliver Schuh | agd | die gebrauchsgrafiker

  4. produktwerk

    Allein die Verinnerlichung von Xing-Kommunikationsschemata lässt sehr tief blicken……. :-) ))

  5. Bekannt

    Der Gehalt dieser Worte in myWhitelist’s Ohr.

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