Sylvester

31. Dezember 2007 von Kai Falkenberg

Jetzt ist er also mal wieder da, dieser letzte Tag eines Jahres. Je älter man wird, umso schneller ist er da, das ist sicher. Genau so sicher wie man eher zwischen Neujahr und Weihnachten dick wird als zwischen Weihachten und Neujahr.

Aber was wollte ich eigentlich erzählen. Richtig. Dieser letzte Tag. Das ist der Tag, an dem man noch mal wirklich in sich gehen kann und sich dann überlegen könnte, was man alles ins neue Jahr mitnehmen sollte und was man besser hinter sich lässt. Ein Tag der guten Vorsätze also.

Am beliebtesten ist der Vorsatz, ab morgen endlich 3,10 oder 30 kg abzunehmen, wobei mancher auch die Hoffnung hegt, im neuen Jahr 70 kg loszuwerden, sich also von seiner Gattin zu trennen. Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt. Dann wären es aber durchschnittlich 98 kg.

Auch Raucher blasen alljährlich mit dem letzten Zug um Mitternacht gerne ihr Versprechen in die trunkene Runde, dies sei ihr letzter Zug ever gewesen, bevor sie um 00:25 Uhr zur nächsten Kippe greifen, weil man sicher ja morgen aufhören werde.
Dieses „Morgen“ des neuen Jahres. Das hat doch wirklich etwas Magisches. So als ob man aufwachte und gleichzeitig ein neuer Mensche wäre. Ein guter, ein schlanker ein nicht Rauchender. Warum aber folgen unseren Vorsätzen so selten auch Taten? Warum nutzen wir die Kraft dieses magischen „Manhana“ so selten?

Ich denke, weil es wieder ein Morgen gibt. Und dann wieder. Die Morgen, an denen man besser, schöner und reicher werden könnte, scheint es in unendlicher Folge zu geben. Die buddhistische Empfehlung, so zu leben als sei wirklich der letzte Tag, bleibt zumindest solange Theorie, bis man selber direkt mit dem Tod konfrontiert ist. Bis dahin sollte man zumindest das trainieren, was japanische Samurai verinnerlicht haben. Wenn der Tod dich anlächelt, kannst du nichts anderes tun als zurückzulächeln.

Was also tun?

Für mich habe ich zunächst drei Konsequenzen gefunden: Erstens nehme ich mir etwas vor, was für mich nur eine kleine Veränderung bedeutet, für andere jedoch eine riesige Außenwirkung entfalten kann. Nicht bei Rot über die Straße zu gehen oder im Straßenverkehr rücksichtsvoller zu fahren zum Beispiel. Zweitens fange ich unmittelbar damit an, so als gäbe es eben kein Morgen mehr, sondern nur noch ein Heute.

Oder noch einfacher – aber auch schwierig: Ich fasse heute drittens überhaupt keine Vorsätze. Sondern lebe einfach.

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